Bauzeitenplan – Definition, Qualitätskriterien und Praxisleitlinien

Projektleiter und Bauleiter mit Architekt auf der Baustelle bei der Terminplanbesprechung.

Zweck und Nutzen

Ein Bauzeitenplan (auch Bauablaufplan/Terminplan/Bauprogramm) ist die zeitliche „Landkarte“ eines Projekts, die festlegt, welche Arbeiten wann, in welcher Reihenfolge und mit welchen Abhängigkeiten stattfinden und welche Termine kritisch sind; daraus ergeben sich in der Praxis weniger Koordinationschaos, klarere Verantwortlichkeiten, schnellere Reaktion auf Abweichungen und weniger strittige Diskussionen, weil Entscheidungen auf Plan‑ und Ist‑Daten beruhen.

 


Qualitätskriterium „guter Plan“

Ein belastbarer Bauzeitenplan beantwortet sechs Kernfragen in einem Blick:

  • Was wird gemacht,
  • wann startet und endet es,
  • wovon hängt es ab,
  • was ist fix (Meilensteine/Fristen),
  • wo liegt Risiko (Puffer/kritische Bereiche) und
  • wie ist der Stand (Soll/Ist/​Fortschritt);

fehlen diese Antworten, handelt es sich nicht um ein taugliches Steuerungsinstrument.

 


Mindestinformationen vor Planstart

Für einen stabilen Erstplan sind fünf Mindestangaben erforderlich, nämlich Projektumfang (Pläne/Leistungsverzeichnis), Rahmen (gewünschter Start, Übergabe, Sperrzeiten), Logik der Hauptphasen (z. B. Baumeister, „Gebäude dicht“, Ausbau, Technik, Inbetriebnahme), Randbedingungen (Lieferzeiten, behördliche Termine, Zugang/Etappierung) und die Zuteilung, wer welche Termine zuliefert (Unternehmer, Planer, Bauherrschaft).

 


Meilensteingerüst statt Detailflut

Der Start erfolgt zweckmäßig mit 10–15 allgemein verständlichen Meilensteinen (u. a. Baubeginn, „Gebäude dicht“, Rohinstallationen fertig, Estrich inkl. Trocknung, Ausbau fertig, Inbetriebnahmen, Abnahme/Übergabe), die das Gerüst für alle Folgevorgänge bilden.

 


Steuerbare Struktur in Gewerke‑Blöcken 

Für eine wöchentliche Steuerung bewährt sich die Zerlegung in sechs Blöcke: Vorbereitungen, Rohbau, Gebäudehülle, Innenausbau, Umgebung/Restarbeiten sowie Prüfungen/Inbetriebnahmen/Abnahmen; zu grobe Pläne führen zum Blindflug, zu feine Pläne zu übermäßigem Pflegeaufwand.

 


Realistische Dauern durch Zeitarten‑Trennung

Realistische Terminierungen entstehen, wenn drei Zeitarten strikt getrennt werden: Produktionszeit (Arbeitstage), Wartezeit (z. B. Trocknung/Aushärtung/Lieferung) und Schnittstellenzeit (Freigaben/Abnahmen/Umstellungen).

 


Abhängigkeiten und Puffer wirksam setzen

Abhängigkeiten unterscheiden „Plan“ von „Bild“ (z. B. Estrich nach dichter Hülle und Rohinstallationen; Maler nach verspachteltem Trockenbau und Trocknung); Puffer sind vor Inbetriebnahmen (wegen Fehlerkettenkosten) und vor Abnahme/Übergabe (Restarbeiten/Mängel) einzuplanen.

 


Schlankes Soll/Ist‑Controlling

Ein praxistaugliches Controlling nutzt vier Statuswerte (geplant, läuft, fertig, blockiert) und aktualisiert wöchentlich Ist‑Start/​Ist‑Ende bzw. Fortschrittsgrade; jede Verschiebung erhält eine dokumentierte Ursache (z. B. Lieferung, Personal, Schnittstelle, Wetter, Entscheidung), um Wirkungen und Gegenmaßnahmen nachvollziehen zu können.

 


Beispiel „EFH/Grobterminplan“

Wer zehn Kernpunkte (von Baustelleneinrichtung bis Abnahme/Übergabe) mit Dauer, Abhängigkeiten und Puffern pflegt, erreicht bereits eine höhere Steuerungsqualität „als 70 % der rein grafischen Excel‑Balkenpläne“; der Zugewinn entsteht primär durch Abhängigkeiten und sichtbare Puffer.

 


Beispiel „Umbau im Bestand“

Umbauten verlangen zusätzlich drei bis vier Bausteine: Etappierung (Zonen/Staubschutz/Zugänge), explizite Risiko‑Puffer für Bestandsunbekanntes, Entscheidungsmeilensteine (Bemusterungen/Freigaben) und die aktive Planung von Lieferzeitfallen (z. B. Türen/Küchen/Spezialteile).

 


Beispiel „Gewerbe/Industrie“

In Gewerbe‑/Industrieprojekten entscheidet die Beherrschung von Schnittstellen und Inbetriebnahmen über Termintreue; eine eigenständige Phase „Testen/Einregulieren/Optimieren“ mit mehreren Iterationen ist dabei erfolgskritisch.

 


Fünf typische Fehler und Gegenmaßnahmen

  1. Fehlende Abhängigkeiten → Vorgänger/Nachfolger für alle kritischen Aufgaben setzen;
  2. vergessene Trocknungs‑/Wartezeiten → als eigene Balken modellieren;
  3. Über‑Detailierung → Details in Terminplänen, nicht im Gesamtplan;
  4. mangelnde Pflege → fester Wochenrhythmus und klare Statusregeln;
  5. Übergabe ohne Puffer → Endpuffer plus Block „Mängel/Restarbeiten“ sichtbar einplanen.

 


Excel vs. Software – Abgrenzung

Excel genügt bei einem einzelnen kleinen bis mittleren Projekt mit wenigen Abhängigkeiten und geringer Kollaboration; spezialisierte Software ist erforderlich, wenn mehrere Beteiligte mitarbeiten, Abhängigkeiten/Verschiebungen und Soll/Ist sauber geführt werden müssen, Vorlagen wiederverwendet werden sollen und Pläne schnell ohne Tool‑Zwang geteilt werden müssen.

 


Empfehlung  – Toolwahl

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